Der vierteilige Duisburger Strassenbahnwagen

GT 10 NC-DU

Mit der Inbetriebnahme der neuen Innenstadttunnel am 11. Juli 1992 durften in Duisburg nur noch tunnelgeeignete Fahrzeuge eingesetzt werden. Ein Umbau der vorhandenen Straßenbahnwagen auf Linkseinstieg und Linienzugbeeinflussung (LZB) wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen, daher wurde der gesamte Wagenpark ersetzt.

Da die maximale Fahrzeugbreite von 2,20 m nicht überschritten werden durfte, kam der Typ N8 nicht infrage. Für Duisburg wurde deshalb ein komplett neuer Fahrzeugtyp entwickelt: der GT 8 NC-DU, später erweitert zum GT 10 NC-DU. Er erfüllte alle Tunnelanforderungen, bot eine niedrigere Fußbodenhöhe (780 mm statt 880 mm beim N8) und ein vergleichsweise geringes Eigengewicht von 29 t trotz Stahlbauweise. Der niederflurige D-Teil mit einer Fußbodenhöhe von 280 mm wurde 1997/2002 hinter dem A-Teil nachgerüstet.

Der Wagenaufbau

Der auffälligste Unterschied zu üblichen Straßenbahnwagen ist die Front, die stark an einen B-Wagen der Ruhrgebiets-Stadtbahn (z. B. U 79) erinnert. Der vordere A-Teil und der hintere B-Teil sind identisch ausgeführt.

Der Wagen besitzt beidseitig vier doppelte DÜWAG-Falttüren sowie vorne rechts eine Einzelfalttür; auf eine Hintertür wurde verzichtet. Spezielle Drehgestelle der Waggonunion Siegen ermöglichten die niedrige Fußbodenhöhe des nachgerüsteten D-Teils. Zwischen Hoch- und Niederflurbereich müssen Fahrgäste lediglich zwei Stufen überwinden.

Die Fahrerkabine ist durch eine Wand vom Fahrgastraum getrennt. In der Kabinentür befinden sich eine Zahlkasse und ein Schiebefenster.

Sitz- und Innenraumgestaltung

  • Ursprünglich: bordeauxrote Kunstledersitze
  • Ab Wagen 1025: rote Kunststoffschalensitze
  • Niederflur-D-Teil: vandalismusresistente, schwer entflammbare Stoffschalensitze
  • Später: mehrere Wagen komplett auf Stoffschalensitze umgerüstet
Wagen 1045 war der erste mit Matrixanzeigen und Haltestellenmonitoren im Hoch- und Niederflurteil, statt der üblichen Rollfilme.

Weitere Modernisierungen

  • Austausch runder Scheinwerfer gegen quadratische Halogen-Scheinwerfer
  • Austausch runder Rück-/Bremslicht-Streugläser gegen quadratische LED-Module
  • geplante Umrüstung der Dachleuchte auf weiße LED

Technische Daten

  • Radsatzfolge: B'2'2'2'B'
  • Länge: 32,64 m
  • Breite: 2,20 m
  • Gewicht: 35,4 t
  • Sitzplätze: 62
  • Motorleistung: 2 x 185 kW
  • Spannung: 750 V
  • Motoren: zwei Reihenschlussmotoren in den äußeren Drehgestellen







Bremssysteme

  • Generatorische Bremse - wirkt nur in Bewegung; Motoren arbeiten als Generatoren; Energie wird in die Oberleitung zurückgespeist; verschleißfrei
  • Federspeicherbremse - dient als Feststell- und Ergänzungsbremse
  • Magnetschienenbremse - Elektromagnetblöcke erzeugen zusätzliche Bremskraft direkt am Schienenkopf
  • Pneumatische Bremse - stärkste Bremswirkung; wird bei Fahrtantritt pneumatisch gelöst
  • Jeder Wagen verfügt über eine Totmannschaltung.

Betriebserfahrungen und Zustand

Die GT 10 NC-DU erwiesen sich im Betrieb als äußerst robust. Selbst die wenig pflegliche Behandlung der Wagen 1001 - 1003 während ihres Einsatzes in Amsterdam hinterließ kaum Schäden - lediglich die Sitze mussten neu bezogen werden.

Nach über 30 Jahren Einsatz traten jedoch erhebliche Korrosionsschäden auf. Zusammen mit mangelnder Barrierefreiheit und dem Erreichen des wirtschaftlichen Lebensendes werden die Fahrzeuge nun schrittweise ausgemustert und verschrottet.

Ein Erhalt als Museumswagen dieser Kultfahrzeuge ist leider seitens der DVG nicht vorgesehen.

Nachfolger: DVG NF4 (GT 8 ND)

Als moderner Ersatz kommt der NF4 (betriebsintern: GT 8 ND) zum Einsatz.

Er ist ein dreiteiliger, achtachsiger Niederflur-Gelenktriebwagen in Zweirichtungsbauweise, mit der Achsfolge Bo'2'2'Bo'.
Mit 34 m ist er rund 4 m länger als die optisch ähnlichen NF4-Wagen der benachbarten Ruhrbahn.

Die DVG bestellte ursprünglich 47 Fahrzeuge, erhöhte die Bestellung jedoch mehrfach. Heute umfasst die Flotte 56 Wagen (Nummern ab 2001).

Damit endet nach über drei Jahrzehnten ein prägendes Kapitel der Duisburger Straßenbahngeschichte und ein Fahrzeugtyp, der das Stadtbild lange mitbestimmt hat, verabschiedet sich endgültig aus dem Betrieb.



Quellennachweis:
  1. Martin Pabst: "Straßenbahn-Fahrzeuge. Band 2: Niederflur- und Stadtbahnwagen", GeraMond Verlag, München, 2000/1998


© Michaela Barz-Berg


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Michaela Barz-Berg, 05.2002 - 2026